MAMA

Ich war doch mal pünktlich

War ich? JA! Ich war die Pünktlichkeit in Person. So schlimm, dass ich meinen Liebsten schon damit nervte. So schlimm, dass ich grantig wurde, wenn ich auf jemanden warten musste. Ich war so ein Streber, der lieber 30 Min. früher losfuhr, um dann mind. 10 Minuten zu warten. Ich hätte ja an einen langsamen Opa mit Hut geraten können, der in Seelenruhe kontinuierlich 25 km/h fährt. Oder die S-Bahn verpassen oder wieder irgendein Tram Chaos. Ist meistens ja eh nicht passiert, aber lieber mal auf Nummer sicher gehen.

Mit der Geburt unserer Tochter änderte sich alles. Ok, die Geburt hab ich strebermäßig in 1,5 Stunden gerockt. Inkl. Fruchtblase platzen, 4 x pressen und BÄHM da war sie auch schon da (keine Sorge, auch ich hab zwischendurch Gott und die Welt verflucht und mir geschworen, dass miniRock wohl ein Einzelkind bleiben wird). Aber dann . . .

Nach ein paar Tagen im Krankenhaus waren wir daheim und wir zwei Mädels wollten das erste Mal zu zweit spazieren gehen. Ich schrieb also meinem Freund, ich meld mich gleich wenn wir draußen sind, dann hab ich Zeit zu telefonieren. 4 Stunden später rief er an und fragte, ob alles Ok sei!

Ich rief ihn also zurück und gab Entwarnung. Es sei alles Ok, aber irgendwie kommen wir nicht los und jetzt bleiben wir einfach gleich daheim und versuchen es morgen einfach nochmal. “Hast du jetzt 4 Stunden versucht loszugehen?????” fragte er mich völlig fassungslos. “Was hast du denn bitte die ganze Zeit gemacht?????” (eine Frage die ich in den kommenden Monaten noch öfters zu hören bekam)

Ja also was genau hab ich denn eigentlich die letzten Stunden gemacht?

Am Anfang lief ja noch alles nach Plan.

  • Die Wickeltasche gepackt. Als paranoide Neu-Mama war ich der Überzeugung, ich brauche auch für einen kleinen Spaziergang das komplette Equipment. Ergo dauert das packen der Tasche ca. 10 Min., mit einem Neugeborenen dann also 30 Min. Heute landen lediglich Feuchttücher, ne Windel (vergesse ich auch gerne mal), Trinken und ein Schnuller in der Tasche.

Und dann kam das erste unvorhergesehene Ereignis.

  • miniRock hatte Hunger. Viel zu früh und schnell merkte ich, dass der Hunger wohl auch nicht sonderlich groß war. Also 20-30 Minuten die eine Seite füttern und unser Zeitfenster von max. 2 Stunden hatte sich nicht nur verkürzt, sondern auch mal eben nach vorne verschoben. Nach einem Monat war ich ein wahrer Stillprofi. Unbemerkt nuckelte die Maus im Bus, im Café, im Park, eben überall wo wir halt grad waren. War auch dringend notwendig, denn miniRock trank wie ein Spatz. Wenig aber oft.

Ok, vielleicht schaffen wir es ja, uns ganz schnell anzuziehen. 30-60 Minuten spazieren würde ja für´s erste reichen. Also rein mit den zierlichen Ärmchen und Beinchen in Body, Strumpfhose, Strampler, Fellanzug, Mütze, Handschuhe, und und und. Schließlich war es draußen noch so richtig kalt und Mama die Frostbeule hielt sich streng an den Tip der Hebamme: “Immer eine Schicht mehr als du, + Decke, etc.” Puh fertig, jetzt nur noch schnell Jacke und Schuhe an und ab die Post.

  • Uhhhhh . . . was riecht denn da???? War ja klar! Als sie endlich in ihren tausend Schichten von Klamotten steckte, war die Windel voll. Also alles wieder aus, wickeln und alles wieder an. Heute bleiben bei uns Hose und Strumpfhose an, schließlich muss man bei den kleinen Wirbelwinden den Wickelvorgang optimieren.

Dieser Vorgang kostete uns dann also nochmals so 30-40 Minuten. Nach der Schwangerschaft und der Geburt hatte ich noch Wochen danach taube Finger. So richtig taub, bis zum zweiten Gelenk, nach dem Aufstehen sogar die ganze Hand. Damit war es für mich eine Tortur all diese klitzekleinen Knöpfchen zu schließen. 

  • Und da wollte sie auch schon wieder was essen. Also wieder raus aus Fellanzug, Mütze, Schühchen und Handschuhe und zum trinken auf die Couch gekuschelt. Dieses Mal hatte sie wenigstens richtig Hunger und schlief auch noch währenddessen ein.

Somit blieben wir also einfach daheim und kuschelten auf der Couch. <3

Und heute? Na also ich gebe mir ja echt Mühe, aber mein Zeitmanagement hängt nun nicht mehr allein von mir ab, sondern auch von meiner zuckersüßen Tochter. Die ihre Jacke anziehen möchte, wenn es ins Bett geht und ihre Hausschuhe auf den Spielplatz. Bis wir dann alle angezogen sind, die wichtigsten Sachen dabei haben, ja nicht das aktuellste Kuscheltier vergessen haben, verfliegen die Minuten nur so und ich höre mich regelmäßig rufen: “GLEICH, SOFORT, NUR NOCH 5 MINUTEN.”

Aber ihr wisst ja, die Coolen kamen schon zur Party zu spät 😉

Ich bin Mama und komm zu spät, na und?!

xoxo

 

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