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BRUTALISMUS; der

Ich gehe wirklich unglaublich gerne spazieren. Einfach loslaufen und schauen wo ich lande. Doch was ich da oft so sehe ist immer mehr ein langweilige Einheitsbrei. Können wir das echt nicht besser? Oder haben wir einfach kein Interesse mehr an unserer Umgebung. Wo ist die Geschichte? Wo ist der Stil? Wo sind sie die individuellen Lebensorte? Und was zum Geier hat ein aufgeblasenes, zitronengelbes Toskanahäuschen in einem bayrischen Vorort verloren???

Hier will ich sie euch zeigen. Längst vergessene Baustile, individuelle Häuser für kleines Budget und ganz besondere Lebensräume.

Den Anfang macht ein Baustil, welcher seit seiner Entstehung polarisiert.

Der Brutalismus |  béton brut

Die architektonischen Ergüsse dieses Baustils erinnern auf den ersten Blick an viel zu große, viel zu massive Klotzbauten. Sie wirken wohl auf viele dunkel, angsteinflößend und unsympathisch. Doch es lohnt sich ein weiteres Mal hin zu sehen um Erstaunliches zu erkennen.

So hat der Brutalismus nichts brutales an sich, viel mehr ist er ein sehr ehrlicher und gut gemeinter Stil des 20. Jahrhunderts. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass sein Name unglaublich unglücklich gewählt wurde. So leitet er sich lediglich von dem französischen „béton brut“ ab, was nichts anderes bedeutet als „roher Beton“ und auf die Verwendung ursprünglichen und unbehandelten Materials hinweist.

Neben der klaren Zurschaustellung der Konstruktion und die Lesbarkeit des Grundrisses, wohl die charakteristischste Eigenschaft brutalistischer Bauten. Was die übertriebene monumentale Formgebung betrifft, so war es, nach Ende des 2. Weltkrieges, ein klares Statement FÜR die Demokratie. Regierungsgebäude, Bibliotheken und Krankenhäuser sollten emporragen und unübersehbar den Sieg der Demokratie ausstrahlen.

Wer also dachte hier waren zornige Architekten am Werk waren, der irrt sich gewaltig, so entdeckte unter anderem Le Corbusier bereits sehr früh die Aussagekraft des rohen Materials für sich, verbaute unverputzte Steine, arbeitete mit unbehandeltem Beton und auch Schweißnähte im Metall wurden als Gestaltungsmittel verwendet. Einige seiner Bauten gehören zu klassischen Beispielen dieses Stils.

Heute, durch unsere digitale Welt, gerät der Brutalsimus wieder in den Fokus. Denn seine Bauwerke machen schon was her auf den Modezeitschriften, den Instagramprofilen und in den Filmen unserer Zeit. So erlangen die Riesen aus Beton und Stein also doch noch eine kulturelle Anerkennung. Als perfekter Hintergrund unserer Selbstdarstellung.

Habitat 67

Habitat 67 in Montreal 

Ministry of Highways Georgien

Ministry of Highways in Georgien

Geisel Library

Geisel Library in San Diego

l'habitation

Unité d’Habitation

research_institute_for_experimental_medicine_berlin

Research Institute for Experimental Medicine in Berlin

Weitere Informationen und Bilder besonderer Werke findet ihr hier

www.brutalismus.com

www.sosbrutalism.org

fuckyeahbrutalism.tumblr.com

 

Ann-Kathrin

 

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2 Comments

  • Reply
    Roxy
    8. Februar 2017 at 13:40

    Oh, schön, dass sich jemand des Brutalismus annimmt. Wie du schreibst: auf den ersten Blick eher abstoßend, aber wenn man genauer hin schaut, erkannt man die spannenden Strukturen.
    Als Wohnraum eher ungeeignet (sieht man allein schon an der fabnelhaften, aber leider sehr unrelistischen Idee von Corbusiers Unite d’Habitation), aber so voller Underdog-Ästhetik!

    • Ann-Kathrin Stade
      Reply
      Ann-Kathrin Stade
      12. Februar 2017 at 19:29

      Wie recht du hast. Freut mich sehr dass dir der erste Beitrag meiner neuen Rubrik gefällt 🙂

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